Große Gratulantenschar bei Rosl Pflaum zum 85. Geburtstag

DienGratulantenschar von links nach rechts: Tochter Marion, Elisabeth Endreß, Johanna Bamberg-Reinwand, Rosl Pflaum, Paul Hümmer, Thomas Stadelmann, Gertrud Strätz und Partner Franz.
Paul Hümmer

07. Januar 2026

Zeil. Im Pflegewohnheim der Arbeiterwohlfahrt in Zeil konnte in großer Teilnehmerrunde Rosl Pflaum ihren 85. Geburtstag feiern. Die Politik gratulierte der „Anwältin der kleinen Leute“ mit dem Vertreter der Landkreis SPD Thomas Stadelmann, der SPD-Unterbezirksvorsitzenden Johanna Bamberg-Reinwand und Paul Hümmer als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft 60plus. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) überbrachte die besten Gesundheitswünsche mit der Kreisvorsitzenden Elisabeth Endres und dem Beiratsmitglied des Bezirksverbandes Unterfranken Paul Hümmer.

Die Gratulanten bezeichneten Rosl Pflaum als „Anwältin der kleinen Leute“, als Mut- und Mitmacherin für die Demokratie und bedankten sich bei Rosl Pflaum für ihr Engagement im sozialen Bereich und sprach ihr Dank und Anerkennung aus.

„Ich habe es gerne gemacht. Eine besondere Freude war es für mich, wenn ich den Menschen mit Rat und Tat zur seite stehen und helfen konnte. All meine Aufgaben erledigte ich ehrenamtlich, gerne und uneigennützig. Das alles machte ich aus Liebe zu den Menschen, die Hilfe brauchten.“ Dies betonte Rosl Pflaum, die auch über drei Jahrzehnte in der Tätigkeit als Versichertenberaterin bei der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern vielen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Über Krieg und Vertreibung nach Eltmann Rosina Pflaum wurde 1941 in Nürschan/CSR als fünftes von sieben Kindern geboren und kam im Jahre 1946 als Kreisflüchtling im Rahmen einer Aussiedlung nach Eltmann, wo sie erst die Volksschule, dann die Wirtschaftsaufbauschule in Bamberg besuchte und eine Lehre als Industriekauffrau absolvierte. 1961 heiratete sie Hans Pflaum, der schon mit 51 Jahren verstarb. Aus der Ehe gingen die Tochter Marion und Sohn Michael hervor. Eine schlechte Erfahrung als Schlüsselerlebnis Durch das ganze Leben von Rosl Pflaum zieht sich eine soziale Ader, von der viele Menschen profitierten.

Dieses soziale Engagement gründete auf einem persönlichen Erlebnis mit einem Arbeitsgerichtsverfahren wegen Kündigung im Mutterschutz im Jahre 1961. „Seinerzeit konnte ich in Erfahrung bringen, wie frustrierend es ist, allein vor Gericht zu stehen. Es stand mir nur eine Frau zur Seite, die mir Mut machte und mich dabei unterstützte, mein Recht zu verteidigen. Dies war für mich Anlass, mich künftig auch für andere Menschen einzusetzen.“

1961 wurde sie bei FAG Kugelfischer im Werk Eltmann eingestellt, trat später sie der IG Metall bei und wurde 1972 als Betriebsrätin und Angestelltenvertreterin freigestellt. „Die hohe Stimmenzahl die ich jedes Mal bei den Betriebsratswahlen erhalte habe, gaben mir Kraft und Ansporn für die tägliche Arbeit. Der KUFI in Eltmann hatte mal bis zu 1500 Beschäftigte,“, blickt sie mit Stolz zurück.

Mit Freude und Leidenschaft im Job 1986 folgte die Wahl zur stellvertr. Betriebsratsvorsitzenden und dann von 1990 bis 1994 wurde ihr die Verantwortung als Betriebsratsvorsitzende übertragen. Die großen Probleme durch den „Zusammenbruch bei FAG-Kugelfischer“ zu dieser Zeit verursachten bei ihr große gesundheitliche Probleme, die Sie zur Aufgabe ihrer Betriebsratstätigkeit zwangen.

Ab 1989 war sie über 30 Jahre als Versichertenberaterin der DRV Nordbayern unterwegs. „Diese Arbeit übte ich mit Leidenschaft und Freude aus. Hiermit konnte ich tausende von Fragestellern helfen und gute Hilfestellung geben.“ In dieses Amt ist sie von der Gewerkschaft des DGB vorgeschlagen worden und wurde alle fünf Jahre neu in dieses Amt wiedergewählt. Sie habe sich dabei von dem Spruch leiten lassen: „Wer für den anderen Zeit hat, der macht froh und zuversichtlich. Zeit, die man anderen schenkt, macht Freude.“

"Der Anwalt der kleinen Leute" So habe sie bei Sterbefällen die Hinterbliebenen zu Hause besucht, um die Unterlagen für die Rentenantragstellung und vieles andere mehr zu regeln. Ebenso habe sie alte und kranke Menschen besucht, für sie eingekauft, Briefe geschrieben oder ihnen Hoffnung und Zuversicht bei Krankheit oder in verzweifelten Lebenslagen gegeben. „Ich wurde oft als der Anwalt der kleinen Leute bezeichnet bzw. derer, die keinen Rechtsschutz nachweisen konnten. So war ich behilflich beim Formulieren und Schreiben von Widersprüchen und Klagen an die Sozialgerichte.“

In der Kommunalpolitik, dem DGB und der AWO war sie lange aktiv Rosl Pflaum gehörte auch über 30 Jahre dem Stadtrat Eltmann und dem Kreistag Haßberge an und leitete lange Jahre die Geschicke des DGB-Ortsverbandes Eltmann. Daneben war sie auch als ehrenamtliche Richterin tätig und gehörte zahlreichen Vereinen an. Über lange Zeit war Rosl Pflaum unsere AWO-Ortsvereinsvorsitzende in Eltmann und arbeitete in der AWO-Kreisvorstandschaft mit. „Rosl Pflaum war in unseren Reihen die Fachfrau für Fragen zur Sozialversicherung“, so die AWO-Kreisvorsitzende Elisabeth Endreß.

Für ihre Verdienste im sozialen Bereich wurde sie im Jahre 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, erhielt 2008 die Fritz-Soldmann-Urkunde vom DGB-Unterfranken und 2022 die Willy Brandt Medaille der deutschen Sozialdemokratie.

Teilen